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Maria Wolf Maria Wolf


Fraunhofer Institut, Darmstadt Ausbildung: im 2. Lehrjahr, Ausbildung zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste Tätigkeit: Auszubildende Fraunhofer-Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme Dolivostraße 15 64293 Darmstadt http://www.ipsi.fraunhofer.de

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Chance Deutschland: Ausländische Wurzeln, welche Erfahrungen macht man da?
Wertschöpfung aus verschiedenen Kulturen

Maria Wolf ist zwar hier in Deutschland geboren, aber ihre Mutter ist phillipinisch-spanischer Herkunft. Ihr Vater hat amerikanische Vorfahren. Von ihren positiven als auch negativen Erfahrungen in Deutschland möchte sie euch gerne berichten. Seit dem 01.09.2004 macht sie eine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste beim Fraunhofer-Institut IPSI in Darmstadt.

Da ich selbst ausländische Wurzeln (philippinisch-spanische Mutter, deutschen Vater mit amerikanischen Vorfahren) habe, möchte ich mich Rahmen des Projekts „Neu in Deutschland“ gerne zu Wort melden.


Vorurteile hinsichtlich des "Fremdseins"


Es gibt viele Vorurteile hinsichtlich des „Fremdseins“. Vor allem Kinder haben damit zu kämpfen, nicht akzeptiert zu werden. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich als kleines Mädchen in der Grundschule von einer Lehrerin wegen meines Aussehens gehänselt wurde. Ja, Ihr habt richtig gelesen, von einer LEHRERIN.

In der Realschule zeigten die Lehrkräfte Verständnis dafür, dass ich ein „Multi-Kulti-Mädchen“ bin. Einige Pädagogen waren aufgrund meines asiatischen „Touches“ sehr neugierig und fragten mich über die philippinische Kultur aus, was sich in der Berufsschule fortsetzte.
Ich bin überzeugt, dass in Anbetracht der Internationalisierung Sprachkenntnisse von enormer Bedeutung sind.

Als ich nach einem Ausbildungsplatz gesucht habe, habe ich ca. 50 Bewerbungen geschriben. Ich habe mich für Ausbildungsplätze als Bürokauffrau, Fachkraft für Systemgastronomie, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste und Kauffrau für Bürokommunikation beworben, unter anderem auch in England, Dubai und auf den Phillippinen. Beim Fraunhofer-Institut in Darmstadt hat es schließlich geklappt.

Als ich mit meiner Ausbildung zur „Fachangestellten für Medien- und Informationsdiensten“ anfing, war ich recht erstaunt, dass im Fraunhofer-Institut IPSI viele Forscher und Studenten aus verschiedenen Nationen (Iran, Griechenland, China, Italien, Indien, Bulgarien u.a.) arbeiten. Das Gefühl, nicht alleine über ein exotisches Aussehen zu verfügen, „beruhigte“ mich. Mir ist außerdem aufgefallen, dass viele Instituts-Kolloquien auf Englisch vorgetragen werden. Natürlich existieren auch von einigen Arbeitgebern Befürchtungen, wenn sie jemanden einstellen, der „anders“ ist. So ist mir ein Fall bekannt, in dem ein Mädchen arabischer Herkunft keine Ausbildungsstelle bekommen hatte, obwohl sie mehrere Praktika absolvierte. In der vorletzten Firma, in der sie ein mehrwöchiges Praktikum belegte, wurden ihre Hoffnungen auf eine Übernahme in ein Ausbildungsverhältnis zerschmettert. Auf die Frage, weshalb sie nicht eingestellt werden würde, gab der Chef zu bedenken, dass er und einige Firmenmitglieder aufgrund der Anschläge vom 11. September 2001 Befürchtungen hätten, das sich so etwas in ihrer Firma in einer ähnlichen Form wiederholen könnte.


Andere Kulturen als Bereicherung



Für mich selbst ist es auf jeden Fall eine enorme Bereicherung, dass ich ein „Mischling“ oder korrekter eine Migrantin bin. Meine Eltern haben mich trilingual (philippinisch, englisch, deutsch) erzogen. Zuhause unterhalten wir uns anfangs immer auf Deutsch. Je intensiver die Konversation wird, desto mehr gerate ich in Versuchung meine Gedanken auf Englisch weiterzuführen. Zum Schluss ergreift meine Mutter dann die Initiative und setzt das Gespräch auf Philippinisch fort, sehr zum Leidwesen meines Vaters (er versteht nämlich nur deutsch und englisch). Vor allem bei pikanten Angelegenheiten spreche ich mit meiner Mutter auf philippinisch. Manchmal fällt mir ein bestimmtes Wort nicht ein und dann setze ich den Dialog auf Deutsch fort. Wenn mir zum Schluss die deutschen Begriffe entfallen, wird das Thema einfach auf Englisch weiter diskutiert. So war es kein Problem für mich, in der Schule das Fach Englisch zu belegen. Hier lernte ich Englisch und konnte zuhause mit Hilfe meiner Mutter grammatikalische Lücken sowie Vokabeln ergänzen. Außerdem ebneten sich mir die Kulturen und ich konnte die Unterschiede zwischen den Ländern durchschauen. In einem westlichen Land dominiert nach meiner Erfahrung eher der materielle Wert, was in den Philippinen keine allzu große Rolle spielt. Eigenschaften wie Charakter und Kompetenz zählen dort zu den bedeutenderen Eigenschaften. Außerdem sind die philippinischen Einwohner extrem gläubig, was sich in vielen Ritualen zeigt. Ein Beispiel ist, dass sich vor Ostern viele junge Männer ans Kreuz „nageln“ lassen. Dutzende Männer durchleiden die gleichen Qualen, wie Christus sie damals durchlebt haben musste, mit dem Unterschied, dass sie bei dem Prozess natürlich nicht ums Leben kommen. Übrigens waren die Philippinen früher ein spanisches Kolonialreich. Die Spanier brachten auch die römisch-katholische Konfession.Apropos Spanien, ich kann auch noch einige „Brocken“ Spanisch sprechen, aber meine knappen Kenntnisse dieser Sprache sind eigentlich nicht der Rede wert, außer wenn ich dort (in Spanien) den Einwohnern ein „Buenas dias“ wünsche, oder einen attraktiven Spanier, mit „El macho hombre“ ("Ein Machomann") beglücken will.


Auch Deutsche untereinander haben Vorurteile



Doch wie sieht es eigentlich in Deutschland selbst aus? Da gibt es doch auch Grenzen, z.B. zwischen den einzelnen Bundesländern. Ich selbst komme aus dem „Freistaat“ Bayern, arbeite aber in Hessen und nehme die Unterschiede deutlich wahr. So nehmen sich die verschiedenen Kulturen immer mal auf die Schippe: Der Bayer wird in Hessen zum „Bazi“, umgekehrt wird ein Hesse als „Hessebock“ tituliert. Jetzt mal im Ernst, ist es nicht so, dass manchmal sogar zwischen einzelnen Nachbar-Orten, eine Art Diskriminierung besteht? Es gibt Bewohner von Ortschaften die sich wegen Lappalien bekriegen, das wird sogar auf die Kinder übertragen. In der Schule führt das häufig zu lautstarken Auseinandersetzungen und anschließenden Handgemengen, die die Atmosphäre zwischen den Ortschaften verschlimmern.

Ich persönlich erachte es als Vorteil, wenn man mit verschiedenen Kulturen aufwächst. In der Kindheit ist es vielleicht schwierig, die Besonderheiten der jeweiligen Länder zu erkennen und auseinander zu halten, man weiß nicht genau, wie man sich artikulieren soll. Aber im Laufe der Zeit pendelt sich das ein.

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Erstelldatum des Artikels: 24.08.2005, letzte Aktualisierung am: 02.12.2010

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