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Konflikte & Stress > Pubertät - ein Abschied ....
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Zuletzt aktualisiert: 21.01.2010 | Druckansicht | http://www.boyng.de/4158

Pubertät - ein Abschied ....

Wenn dein Körper sich mehr und mehr verändert und deine Gefühle dir plötzlich ganz neu und fremd vorkommen, dann bist du in der Pubertät. Bei jedem jungen Menschen läuft sie anders ab, bei einem früher, beim anderen später. Auch die Schnelligkeit, mit der die Pubertät voranschreitet, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Doch eines ist für alle gleich – der Abschied von der Kindheit, und dieser Abschied will betrauert werden.

Vielleicht denkst du, dass Trauer nur etwas mit Tod zu tun hat. Das stimmt aber nicht. Trauer ist ein Gefühl, das dich dein ganzes Leben lang begleitet. Trauer ist die Fähigkeit des Menschen nach Verlusten wieder heil zu werden. In der Trauer erlebst du viele widersprüchliche Gefühle, z.B. auch Anklage, Wut oder Verzweiflung. Dieses Gefühlschaos will geordnet werden. Dazu ist es wichtig, dass du deine Gefühle ausdrückst. Wenn du fröhlich bist, kannst du lachen, singen und tanzen. Wenn du traurig bist, darfst du weinen, verzweifelt, wütend und auch aggressiv sein.

Such dir gerade für die traurigen Momente einen Menschen, dem du vertrauen kannst, der deine Gefühle ernst nimmt und Zeit für dich hat. Je offener du deine Gefühle ausdrücken kannst, umso genauer kannst du sie einschätzen und mit ihnen umgehen. Gemeinsam könnt ihr über deine Gefühle sprechen.

Abschied und Neuanfang

Im Laufe deines Lebens wirst du viele Abschiede erleben. Als Kind musstest du schon oft Abschied nehmen:


  • bei der Geburt von dem schützenden Mutterleib,
  • im Kindergarten von Freunden, die in eine andere Stadt gezogen sind
  • beim Übergang vom Kindergarten in die Schule
  • beim Wechsel von der Grundschule in eine weiter führende Schule
  • wenn ein geliebter Mensch oder ein Haustier gestorben ist,
  • oder auch bei einer eventuellen Trennung der Eltern



Aber in jedem Abschied steckt ein Übergang und Neuanfang. Übergänge sind immer kritische Augenblicke, weil du dich auf Neues, Unbequemes einlassen musst. Der Wechsel von einer vertrauten in eine fremde Gruppe oder Umgebung kann bei dir Angst oder zumindest ein unangenehmes Gefühl auslösen.

Ein besonders markanter Übergang ist der von der Kindheit ins Erwachsenenleben. Du verabschiedest dich von deinen Gewohnheiten als Kind, die dir jetzt vielleicht albern vorkommen. Mit dem Eintritt in die Welt der Erwachsenen verändert sich deine Sichtweise der Umwelt.

In der Pubertät erlebst du alle emotionalen Probleme sehr intensiv. Aber aus Angst, in kindliche Verletzlichkeit und Abhängigkeit zurückzufallen, scheust du dich vielleicht, deine Trauer und deinen Schmerz zuzulassen, reagierst mit Verleugnung, Unzugänglichkeit, Ablehnung oder Rebellion.

Bei Jungen ist das starke Bedürfnis ausgeprägt, in einer Clique anerkannt zu sein, nicht zum Außenseiter zu werden. Das kann für dich Hilfe, aber auch Hindernis der Trauerarbeit werden: Männer weinen nicht und ähnliches.

Wenn du keinen Raum hast, deine Gefühle von Trauer auszuleben, du sie - um nicht sozial uninteressant zu werden - ständig unterdrückst, bleibt Trauer unbewältigt wie ein eiskalter Block in dir zurück.

Diese entscheidende Phase deiner Identitätsfindung ist für dich oft mit einem ungeheuren Lebenshunger, aber auch mit Gefühlen von Lebensüberdruss bis hin zu Selbstmord, wo kein Sinn im Leben aufzufinden ist, verbunden.
-Dieses Gefühlschaos ist völlig normal!-

Während der Pubertät kommt es zu Umstellungen im Hormonhaushalt deines Körpers. Diese Umstellungen führen dazu, dass du häufig mit dir Selbst im Unreinen bist. D.h. manchmal bist du zu Tode betrübt, dann wieder kannst du dich leicht freuen, bist gereizt, hast Schlafstörungen oder gerätst gar leicht ins Schwitzen. Das sind völlig normale Anpassungsvorgänge, die nach 1-2 Jahren überwunden sind. Du fühlst dich wieder wohl in deiner Haut und hast deinen Körper, so wie er jetzt funktioniert, akzeptiert.


Abschied auch für die Eltern

Die Zeit der Pubertät ist für keine Seite leicht, nicht für deine Eltern und auch nicht für dich. Die Pubertät hat etwas mit Abschied zu tun; Abschied von Gewohntem, von der Elternschaft, von der Kindheit...
Die Pubertät läuft auf die Loslösung von deinen Eltern hinaus. Deine Eltern müssen auch von dir Abschied nehmen und Du lernst nun langsam, für dich zu sorgen, übernimmst Verantwortung für dein Tun. Aber nur im Gefühl von Schutz und Geborgenheit kannst du loslassen.

Um dich in diesem Entwicklungsprozess zu unterstützen können Übergangsrituale hilfreich sein.

Rituale ganz allgemein sind der Versuch, sich nicht im Chaos von Verzweiflung und Ohnmacht zu verlieren. Sie haben eine Botschaft, die direkt auf die Menschen wirkt, ohne Worte und lange Erklärungen. Sie geben dem, was wir empfinden, eine Form: Angst vor dem Ungewissen, Sehnsucht nach Gemeinschaft, Freude am Geborenwerden, am Aufbruch.

Übergangsrituale helfen dem Einzelnen oder einer Gruppe, gestärkt in einen neuen Lebensabschnitt einzusteigen.
Die Religionsgemeinschaften haben Rituale für diesen Übergang (Firmung oder Konfirmation). Aber auch wenn du keiner Religionsgemeinschaft angehörst, kannst du mit deiner Familie eigene Rituale entwickeln und so den Abschied von der Kindheit und deine Aufnahme in die Welt der Erwachsenen feiern.

Oft sind deine Eltern in dieser Situation nicht die besten Absprechpartner. Entwickle doch mit deiner Vertrauensperson eigene Ideen, was du brauchst, um deine Gefühle zu ordnen. Gemeinsam könnt ihr dann das Gespräch mit deinen Eltern führen.

Für Rückfragen oder Anmerkungen stehe ich gerne zur Verfügung.

Erstelldatum des Artikels: 21.09.2003, letzte Aktualisierung am: 21.01.2010

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